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Portal „Datensammlungen Geschlechterforschung”

Ultrawelten. Radikale Formsprachen in den Inszenierungen von Susanne Kennedy, Lucia Bihler und Florentina Holzinger 

Abgeschlossen

Kurzbeschreibung

Das Promotionsprojekt widmet sich ausgehend von den Künstlerinnen Susanne Kennedy, Florentina Holzinger und Lucia Bihler dem Bruch als dramaturgische Form in der darstellenden Kunst der Gegenwart: Anhand des Theorems der Geste soll analysiert werden, inwiefern eine Dramaturgie des Bruchs innerhalb illusionsstarker Ästhetiken zur Aktualisierung des gegenwärtigen Theaters beiträgt. Die in den Feuilletons vielbesprochenen Inszenierungen Kennedys, Holzingers und Bihlers heben sich von der künstlerischen Praxis der vorausgegangen Jahrzehnte ab und stehen paradigmatisch für einen formalen Wandel der 2010er Jahre. Ihre Arbeiten entfalten sich vor dem Hintergrund einer digitalisierten und krisenreichen Komplexität der Welt, sowie erstarkender feministischer Themen und identitätspolitischer Diskurse. Bei allen drei Künstlerinnen finden sich spezifische Motive in der Auseinandersetzung mit Subjekten, Körpern und Situationen, die ein formales Element eint: Der Bruch mit tradierten Darstellungsweisen. Daraus folgt die grundlegende These des Dissertationsprojekts, die eine Dramaturgie des Bruchs als Forschungsdesiderat aufweist: Die Aktualisierung wird zuallererst möglich, da neue Formsprachen in Bezug zu vorherigen kontextuellen Strategien entstehen. Die Aktualisierung muss demnach als Dekonstruktion, nicht als Destruktion gedacht werden. Um den Bruch als prägendes Element gegenwärtiger Kunst in Begriffe und Beschreibungsformen zu überführen, gilt es, die den neuen theatralen Formsprachen vorausgehenden Kontexte zu erschließen. Besonders das Brechtsche Theater, so die weiterführende These, ist ein bestimmendes Signum der besprochenen Formsprachen. Gleichzeitig zeichnet sich eine Rückkehr zum Illusionstheater ab, einem geschlossenen dramatischen Gefüge, das durch eine spezifisch räumliche, ästhetische und inhaltliche Hermetik bestimmt wird. Diese Widersprüche, die aus den Inszenierungsästhetiken sprechen, erfordern eine theoretische Betrachtung. Da sich eine Dramaturgie des Bruchs immer anhand des performativen Körpers auf der Bühne vollzieht, ist ein weiterführendes Theorem für deren Betrachtung ausschlaggebend: die Geste. Diese wird, ausgehend von Judith Butlers Begriff des Brechtschen Theaters, selbst als Form des Bruchs herangezogen. Die Gesate fungiert aufgrund ihrer zitathaften Materialität als diskursive Figur zwischen Körperlichkeit und Zeitlichkeit. Als theoretisches Instrument kann die Geste folglich helfen, die neuen Formsprachen in der darstellenden Kunst zu vorherigen theatralen Strategien in Bezug zu setzen und mit aktuellen theaterästhetischen Überlegungen eng zu führen. Mit Brecht wird der gestische Bruch dabei als gesellschaftlich orientiertes Äußeres gedacht und nicht als an ein Subjekt gekoppelte Erzählstruktur: es handelt sich also nicht zuletzt um die Betrachtung der potentiell kritischen Leistung des aktuellen Theaters.

Projektdetails

Projektart
Dissertation
Fachgruppe
Sprach- und Kulturwissenschaften
Beginn
2020

Einrichtung

Fachbereich/Zentralinstitut
Philosophie und Geisteswissenschaften
Institut/Seminar
Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien

Projektteam

Kontakt

Forschende