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Portal „Datensammlungen Geschlechterforschung”

“...that’s life. You have to be both good and bad”. Practices of resistance on Mexico’s southern border/ “... así es la vida. Hay que ser buena y mala también” Widerstandspraktiken im Sexgewerbe an der Südgrenze Mexikos

Abgeschlossen

Kurzbeschreibung

This research deals with the practices of resistance employed by women working in the sex trade of Tapachula, the main city on Mexico’s southern border. By analyzing the life stories of these women, I show that what we refer to as prostitution is not a fixed and homogeneous field populated by victim-subjects, but a complex web of power relations in which sex workers, despite the constraints placed on them, retain their capacity for action and manage to find spaces, even if fleeting ones, which allow them to protect their interests and identities. I use an analytical framework which combines critical feminist theory and Michel de Certeau’s theoretical-methodological proposal. My research explores the ways in which sex workers manage to metaphorize the stigma of the prostitute as victim/threat and its effects using four positions: worker, mother, wife/partner and chaste woman. Despite the fact that in the dominant discourse, prostitute is the representation of the bad woman (vicious, subject to diseases, irresponsible, dishonest and immoral), the protagonists of this investigation construct discourses in which they appear as subjects of respectability: legitimate workers, responsible mothers, faithful wives and chaste women. This does not entail idealizing such actions by conferring upon them the power to permanently subvert structures of oppression. Instead, what I reveal are the subtle ways in which these women take advantage of opportunities to momentarily transform power – not through rejection, but by using these systems for their own benefit. /Die vorliegende Arbeit thematisiert Widerstandspraktiken zentralamerikanischer Sexarbeiterinnen anhand einer qualitativen Fallstudie in Tapachula, einem urbanen Ballungsraum an der Südgrenze Mexikos. Anhand der Analyse von Lebensgeschichten der Frauen zeigt meine Forschung, dass die sogenannten Prostituierten keine homogene Einheit von Opfern bilden. Stattdessen wird das Bild eines komplexen von Machtbeziehungen durchzogenen sozialen Gefüges gezeichnet. Trotz der vielfältigen sozialen Zwänge denen die Sexarbeiterinnen ausgesetzt sind, bewahren sie ihre agency und schaffen Räume die es ihnen erlauben – wenigstens momentan – ihre Interessen und Identitäten zu behaupten. Auf der Grundlage eines Analyserahmens der Ansätze des kritischen Feminismus mit dem theoretisch-methodologischen Zugang Michel de Certeaus verbindet, untersucht meine Forschung wie die Sex Arbeiterin mit dem ambivalenten Stigma als Opfer und Bedrohung umgehen. Dabei bedienen sich die Frauen vier verschiedener Methapern: der Arbeiterin, der Mutter, der Ehefrau bzw. Partnerin, sowie der keuschen Frau. Obwohl die Prostituierte im dominanten Diskurs stets als „schlechte Frau“ repräsentiert wird (im Sinne von sündhaft, unverantwortlich, unehrlich, unmoralisch und als Überträgerin von Krankheiten), erschaffen die Protagonistinnen dieser Forschung alternative Diskurse in denen sie als verantwortliche Subjekte erscheinen: Als legitime Arbeiterinnen, als verantwortliche Mütter, als treue Partnerinnen und als keusche Frauen. Auf diese Weise schaffen sie es – sei es auch nur in bestimmten Momenten – Machtverhältnisse umzukehren und sich selber zu wertvollen sozialen Geschöpfen zu erklären. Wie dargelegt wird impliziert dies keine Idealisierung der beschriebenen Aktionen. Den Frauen wird nicht die Fähigkeit zugeschrieben, bestehende Strukturen der Unterdrückung dauerhaft zu verändern. Vielmehr weise ich die subtilen Wege auf, mit denen die Frauen Möglichkeiten nutzen, Machtverhältnisse situationsbezogen umzukehren. Dies wird nicht durch die Zurückweisung existierender Normensysteme erreicht, sondern indem diese für die eigenen Zwecke umgedeutet werden.

Projektdetails

Projektart
Dissertation
Fachgruppe
Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
Fachliche Zuordnung
Soziologie
Beginn
2011
Ende
2017

Einrichtung

Fachbereich/Zentralinstitut
Lateinamerika-Institut
Fachgebiet/Arbeitsbereich
Internationales Graduiertenkolleg "Zwischen Räumen"

Projektteam

Schlagwörter

Sex Arbeit/ Sex Work, Widerstand, Menschenhandel, Soziale Stigma

Forschende