Qualitative und quantitative Integration von gendermedizinischen Inhalten und Perspektiven in den Modellstudiengang Medizin der Charité – Universitätsmedizin Berlin / Qualitative and quantitative integration of gender medicine and gender perspectives into the new modular medical curriculum at Charité – Universitätsmedizin Berlin
AbgeschlossenKurzbeschreibung
m Wintersemester 2010/11 wurde an der Charité – Universitätsmedizin Berlin der innovative, modulare, interdisziplinäre und outcome-orientierte Modellstudiengang Medizin eingeführt. Mit dessen Einführung wurden Inhalte der Gendermedizin und Genderperspektiven systematisch über das gesamte Curriculum hinweg in alle Module von den Grundlagenmodulen bis zu den höheren klinischen Modulen und Lehrformaten longitudinal integriert. Dabei spielten sowohl biologische („Sex“) als auch soziokulturelle („Gender“) Aspekte eine Rolle. Ziel war die Vermittlung von adäquaten Kenntnissen, praktischen Fertigkeiten und Kommunikationsfähigkeiten zu Geschlechterunterschieden bei der Entstehung, Manifestation, Prävention, Diagnose, Therapie und Erforschung von Erkrankungen. Methode Die Integration erfolgte im Rahmen des Modulplanungsprozesses. Hierzu wurde ein „Change Agent“ direkt in die Projektsteuerung für den Modellstudiengang Medizin platziert und hatte auf diese Weise direkten Kontakt mit allen an der Modulplanung beteiligten Akteuren und Akteurinnen. Der „Change Agent“ entwickelte eine zehn schrittige systematische Vorgehensweise, die nach jeder Modulplanungsgrunde evaluiert und verbessert wurde. Vor Beginn der Modulplanungen wurden wissenschaftliche Recherchen der zu integrierenden Inhalte für die zu planenden Module durchgeführt. Die identifizierten Inhalte wurden in die Modulplanungs- Sitzungen eingebracht und mit den Modulverantwortlichen und der Modulplanungsgruppe diskutiert. Es wurde geprüft, in welche der Lehrveranstaltungen und Lehrformate die Integration am sinnvollsten ist und gemeinsam mit den Verantwortlichen der Lehrveranstaltungen Lernziele formuliert. Die Integration wurde von Seiten der Fakultätsleitung und der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten unterstützt. Ergebnisse Lerninhalte und Lernziele der Gendermedizin und Genderperspektiven konnten sowohl quantitativ als auch qualitativ über das gesamte Curriculum in alle Lehrformate hinweg in die Grundlagen, Organ- und Körpersystem Module, die Krankheitsmodell Module, in die höheren klinischen Module sowie in die longitudinalen Lehrformate wie Kommunikation, Interaktion und Teamarbeit integriert werden. Inhalte der Gendermedizin sind Teil des summativen Assessments. Im Kerncurriculum konnte ein dreiwöchiges Modul zu „Geschlechtsspezifischen Erkrankungen“ integriert werden. Dieses Modul baut auf den bereits integrierten Inhalten der Gendermedizin auf und vertieft diese. In den Modulhandbüchern zu allen Modulen wird geschlechtergerechte Sprache verwendet. In den Wissenschaftsmodulen sind Lernziele zur Berücksichtigung von Gender- und Diversityaspekten beim Studiendesign und der Interpretation wissenschaftlicher Ergebnisse verankert. Des Weiteren konnte ein Wahlpflichtmodul zum Thema „Sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung“ im 8. Semester integriert werden. Schlussfolgerung Der Einsatz eines „Change Agent“ in der Projektsteuerung eines neu zu planenden medizinischen Curriculums ist eine erfolgreiche Strategie zur systematischen Integration von neuen Lehrinhalten – in diesem Fall Gendermedizin und Genderperspektiven - in ein medizinisches Curriculum. Eine systematische Vorgehensweise und die institutionelle Unterstützung durch die Fakultätsleitung und die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte erleichtert die Integration.
Projektdetails
- Projektart
- Forschungsprojekt
- Fachgruppe
- Gesundheitswissenschaften
- Beginn
- 2010
- Ende
- 2011
Einrichtung
- Fachbereich/Zentralinstitut
- Charité - Universitätsmedizin
Projektteam
- Leitung
- Prof. Dr. Sabine Ludwig
Forschende
-
Prof. Dr. Sabine Ludwig
Ehemalig