Alter(n) und Geschlecht – kulturelle Konstruktion und journalistische Verhandlung
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Brigitte Macron erfährt mit der Präsidentschaft ihres Mannes Emanuel Marcron große mediale Aufmerksamkeit. Im Fokus der Berichte: ihr Alter. Ihre 64 Jahre sind zwar für das Amt einer Première Dame nicht ungewöhnlich, aber sie werden als ungewöhnlich, ja als „Provokation“, in Relation zu ihrem deutlich jüngeren Mann konstruiert. Ihr femininer Kleidungsstil kombiniert mit Falten im Gesicht ist für zahlreiche Zeitungen Anlass für eine gesonderte Berichterstattung. Der Fall lenkt das Interesse auf die geschlechtsspezifische Wirkung der selten behandelten Alterskategorie. Alter und Altern werden im zeitgenössischen medialen Diskurs keinesfalls allein bei Frauen problematisiert. Auch wenn Redewendungen wie „Frauen welken, Männer reifen“ eine männliche Alterslosigkeit suggerieren, lässt sich „diese Sicht des Alterungsprozesses“ heute „nicht mehr halten“, wie die Zeit schon 1996 herausstellt (Zeit 17.05.1996). Wie die Men’s Health (s.o.) thematisieren zahlreiche Männermagazine Alterungsprozesse und sprechen offen Probleme und Ängste an. Interessant ist, inwieweit Alter(n) dabei geschlechtsspezifisch hervorgebracht wird. Die intersektionale Schnittstelle der diskursiv verwobenen Kategorien erhält jedoch nur zögerlich wissenschaftliche Aufmerksamkeit. Dabei lassen sich interessante Veränderungen des kulturellen Altersbildes beobachten. Nicht nur der Fall Brigitte Macron bricht mit reaktionären Mustern, das Alter scheint sich insgesamt zu vervielfältigen. „So wird von den ‚jungen‘, ‚aktiven‘ und ‚produktiven‘ Alten gesprochen, den ‚Best Agers‘ oder ‚Golden Oldies‘, denen die Möglichkeit offen steht, erfolgreich und autonom das Leben im Alter zu gestalten“ (Pichler 2010, S. 415). Die Bewegung der kulturell geprägten Konstruktion und ihre mediale Aktualisierung bieten die Möglichkeit Konzepte männlichen und weiblichen Alter(n)s bzw. ihre mediale Verhandlung zu analysieren und Machtformationen sichtbar zu machen. Mit der Dissertation habe ich mir das Ziel gesetzt das intersektionale Verhältnis von Alter(n) und Geschlecht zu untersuchen. Im Zentrum steht die journalistische Konstituierung männlichen und weiblichen Alter(n)s: Wie wird Alter(n) geschlechtsspezifisch im journalistischen Diskurs hergestellt? Dabei geht es natürlich auch um die Möglichkeit journalistischer Deskonstruktion von Alter(n) und Geschlecht und die Sichtbarmachung vielfältiger Konzepte: Wo wird Alter(n) im aktuellen Diskurs irritiert, veruneindeutigt oder umgeschrieben?
Project Details
- Project Type
- Dissertation
- Subject Group
- Law, Economics and Social Sciences
Organization
- Faculty/Central Institute
- Political and Social Sciences
- Institute/Seminar
- Institute for Media and Communication Studies
- Field/Work Area
- Journalism
Project Team
- Director
- Dr. Shari Adlung (WiMi)
Researchers
-
Dr. Shari Adlung (WiMi)
Former